Hallo Drechsler des hohen Nordens,
am Sonnabend fand unser Mai-Treffen statt. Wir hatten gleich zwei größere Themen, die auf viel Interesse bei den Mitgliedern stießen. Zum einen eine Vorführung zur Herstellung von Jo-Jos mit viel Know-how von Stefan und zum anderen eine weitere Vorführung von Horst zu seinen Erfahrungen mit dem ProEdge Bandschleifer von Robert Sorby. Diese Schleifmaschine schien bei kaum einem Mitglied im Einsatz zu sein, sodass alle auf einen detaillierten Erfahrungsaustausch gespannt waren.
Erfahrungsbericht von Horst (ProEdge)
Seit nunmehr mehr als 50 Jahren drechsel ich und habe in der Zeit viele verschiedene Schleifmethoden ausprobiert, nass und trocken. Einige davon sind auch heute noch bei mir im Einsatz. Vor ca. 4 Jahren habe ich mir das Pro Edge Schleifsystem von Sorby zugelegt. Bis dahin habe ich den groben Vorschliff immer trocken ausgeführt und das Finish dann auf einer Tormek.
Dieses erschien mir immer etwas umständlich und langwierig.
Bei der Pro Edge habe ich nun beides in einer Maschine grob und fein, nur mit einem Bandwechsel der in minutenschnelle erledigt ist. Ich habe die Maschine direkt neben meiner Bank stehen, sodass ich sehr schnell nachschleifen kann. Beim Nachschleifen habe ich als universelles Band immer eine 120er Körnung auf der Maschine. Mit nur wenigen Vorrichtungen kann man alle beim Drechseln anfallenden Anschliffwinkel erzeugen. Alle benötigten Winkel sind auf der Maschine vorgerüstet. Beim Nachschleifen gibt es auch keinerlei Probleme mit der Wärmeentwicklung, lediglich beim groben Umschleifen muss man etwas aufpassen und eventuell kühlen.
Ich bin absolut zufrieden mit dieser Maschine und würde mir diese jederzeit wieder kaufen.
Werkbericht von Stefan (Jo-Jos)
Die meisten kennen Jo-Jos aus ihrer Kindheit, und sie faszinieren auch heute noch. Für einen Drechsler sind sie einfach herzustellen und deshalb ein nettes Geschenk.
Für die Einspannung benötigt man ein Schraubenfutter, das man sich schnell herstellen kann aus einem Reststück Holz, das für die Einspannung in ein Drechselfutter vorbereitet ist. Eine mittig eingedrehte und zusätzlich geklebte Schraube mit ca. 4,5mm Durchmesser ragt etwa 12 mm heraus, siehe Foto.
Die beiden Jo-Jo-Hälften sollen später gleich gross, gleich schwer und homogen sein, deshalb bietet sich Plattenmaterial aus Leimholz (gleichmässig gewachsene Stücke ohne Äste) oder Multiplex Sperrholz an, Dicke zwischen 15 und 20mm.
Fertigungsablauf, die Abmessungen sind ein Vorschlag:
- 2 runde Scheiben von ca 55mm Durchmesser vorsägen,
- die Scheiben von einer Seite mit 4mm mittig vorbohren, ca.10 mm tief
- die erste Scheibe auf das Schraubenfutter spannen,
- die Aussenseite exakt gerade abdrechseln, auf ca 50mm Durchmesser,
- die zugänglichen Oberflächen nach Wunsch schleifen und endbehandeln,
- die zweite Scheibe einspannen, auf exakt denselben Durchmesser abdrechseln, schleifen und endbehandeln,
- das Schraubenfutterloch der ersten Scheibe auf 6mm aufbohren, exakt rechtwinklig und ca 12 mm tief,
- einen Holzdübel 6mm Durchmesser einkleben und den Überstand messen,
- die zweite Scheibe so tief bohren, dass die Jo-Jo-Hälften eine Abstand von 3-4mm bekommen. Falls erforderlich, den eingeklebten Dübel mit einem Tellerschleifer einkürzen,
- Jo-Jo Band am Dübel festknoten und zweite Scheibe aufklemmen: fertig!
Tipp 1: Sollte das Jo-Jo unrund laufen, die beiden Scheiben gegeneinander verdrehen.
Tipp 2: Im Internet gibt es fertige Jo-Jo Schnüre günstig zu kaufen. Diese besitzen eine freie Schlaufe am unteren Ende für einen Freilauf des Jo-Jos bei abgerollter Schnur, was diverse Tricks ermöglicht. Bei Interesse im Internet nach Filmen mit Jo-Jo Tricks suchen.
